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Zwei Frauen beugen sich andächtig zueinander. gagpdg0894.jpg

Wir sehen den Menschen und achten seine Spiritualität

Wir sind als diakonischer Träger einem ganzheitlichen Hilfehandeln verpflichtet. Deshalb achten wir neben der somatischen, sozialen und psychischen auch die religiöse Dimension menschlichen Lebens.

Wir geben unseren Klienten, Kunden und Bewohnenden die Möglichkeit und Unterstützung, ihre Religiosität und Spiritualität zu leben.

In unseren Einrichtungen und Diensten stellen wir Bewohnenden, Kunden und Klienten religiöse Angebote, insbesondere in christlicher Tradition und Ausprägung, bereit.

Gänsehaut

Es ist Winter. Die Zeit zwischen dem zweiten und dritten Advent. Draußen ist es sonnig und sehr kalt. Im Haus ist alles weihnachtlich geschmückt, auf den Wohnbereichen erklingt weihnachtliche Musik aus dem Radio. Die Bewohner singen alle mit und sind sehr entspannt. Nur wir – sieben Bewohner und drei Mitarbeiter – laufen traurig in die Kapelle. Wir wollen zusammen um Herrn B. trauern und uns von ihm verabschieden. Herr B. war ein 43-jähriger Bewohner der Jungen Pflege, der anderthalb Jahre lang sein Leben mit uns geteilt hat. Der harmoniebedürftige Mann konnte hier im Haus viele neue Kontakte knüpfen und war bei anderen Bewohnern und den Mitarbeitern sehr beliebt. Er war sehr krank und sich der Tatsache bewusst, dass seine Lebenserwartung eine recht kurze sein wird. Aus diesem Grund hat Herr B. schon früh den Mitarbeitern des Sozialen Dienstes seine Wünsche und Vorstellungen mitgeteilt, was seine Beerdigung betrifft. Wir sind mittlerweile in der Kapelle angekommen. Die Sonne scheint durch die oberen Fenster und die Helligkeit lässt die Kapelle noch größer wirken. Links steht der geschmückte Weihnachtsbaum und vor dem Altar eine Staffelei mit der Fotografie des Herrn B.

Eine Kerze brennt daneben. Auf einem Stuhl sitzt ein Mitarbeiter des Sozialen Dienstes, daneben steht ein CD-Spieler. Unweigerlich steigt in mir der Gedanke auf: Was macht denn ein CD-Spieler in der Kapelle?

Wir versammeln uns in einem Kreis, zunächst sind wir leise, in uns gekehrt. Einige von uns lassen die vorangegangene Beerdigung, an der wir gemeinsam teilgenommen haben, in unseren Gedanken nochmals nachklingen. Dann ergreift der Mitarbeiter des Sozialen Dienstes das Wort. Mit leiser Stimme teilt er mit, was Herr B. ihm vor längerer Zeit erzählt hat und wie wichtig ihm diese Gedanken waren. Daran schließt er eine kleine Geschichte an. Es ist sehr still in der Kapelle, eine Bewohnerin hustet, eine andere weint. Der Mitarbeiter legt eine CD ein, wir warten neugierig auf das, was jetzt passieren wird. Was werden wir hören? Ein Kirchenlied? Wenn ja, welches? Dann zu unserem Erstaunen: Es ertönt „Stairway to heaven“ von Led Zeppelin. Ein emotionaler, bewegender Moment - Gänsehaut pur. Wir schauen uns alle an, und mit einem Mal begreifen wir: DAS war sein letzter Wunsch, sein Abschied von uns. Die Tränen fließen über die Gesichter, das Lied ist zu Ende und keiner rührt sich. Schließlich sprechen wir gemeinsam ein Gebet und verabschieden uns ein letztes Mal von Herrn B. Das Leben geht weiter…