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Eine junge Frau hat den Arm eines alten Herren eingehakt, beide lächeln. gagpdd7344.jpg

Wir ermutigen Menschen und stiften Hoffnung

Menschliches Leben ist nach christlichem Verständnis auf Hoffnung angelegt.

Wir versuchen, solche Hoffnung auch angesichts unveränderlicher Fakten, schwe- rer Erkrankungen und im Angesicht des Todes zur Geltung zu bringen.

Wir sehen es als unsere Aufgabe an, Menschen zu ermutigen und in ihrem Leben Sinn, Erfüllung und Freude zu finden.

Frau N. wollte so gern einmal im Leben nach St. Petersburg fahren

Frau N. war eine resolute, elegante, ältere Dame, als sie bei uns ins Pflegeheim einzog. Sie hatte schon viel erlebt, war Köchin in verschiedenen guten Restaurants, auch im Ausland. Sie erzählte gerne von ihren vielen Reisen, die sie mit ihrem Mann und nach seinem Tod alleine unternommen hatte. Noch im hohen Alter hatte sie einen sehr wachen Geist und war darauf besonders stolz. So sagte sie oft: „Zum Glück hab ich noch einen klaren Verstand, denn den habe ich immer benutzt wenn ich in fremden Ländern unterwegs war.“ Die ersten Jahre nahm sie regelmäßig an unseren Bewohnerurlauben teil. Als Frau N. immer schwächer wurde und letztlich bettlägerig, haderte sie nicht. Sie schien sehr gefasst, auf alles vorbereitet, was nun auf sie zukommen würde. Einige Tage vor ihrem Tod sagte sie zu einer Pflegerin, es sei jetzt wohl an der Zeit, diese Welt zu verlassen, eigentlich habe sie ja auch genug davon gesehen. Die Pflegerin fragte sie – wie wir das bei Menschen in der letzten Lebensphase wenn möglich immer tun – ob es denn noch etwas gäbe woran sie besondere Freude hätte, was sie nochgerne erleben möchte, wofür sie sich noch einmal begeistern könnte. Frau N. lächelte und sagte: „Ich wäre so gerne mit dem Schiff nach St. Petersburg gefahren, das schaffe ich jetzt leider nicht mehr“. Die Pflegerin stand nun vor einer unerwartet großen Herausforderung. Sie hatte doch nur einen ganz normalen letzten Wunsch erfüllen wollen, so wie wir es aus unserem Leitbild kennen: Menschen ermutigen, in ihrem Leben Sinn, Erfüllung und Freude zu finden… einfach leben bis zum Ende. Klar war,dass Frau N. eine Schiffsreise nicht mehr antreten konnte. Im Team überlegten wir gemeinsam. Wenn wir schon diesen ausgefallenen Wunsch nicht ganz erfüllen konnten, gab es vielleicht doch eine Alternative, wie wir Frau N. ein ganz besonderes Erlebnis bereiten konnten?  Die Kollegin aus dem sozialen Dienst hatte eine wundervolle Idee. Sie kaufte eine DVD mit einem musikalischen Spaziergang durch St. Petersburg. Unser Haustechnikerschloss einen DVD-Player an Frau N.‘s Fernseher an, die Pflegerin brachte ihr ein Gläschen Krimsekt und sah, wie sehr die Bewohnerin diese besondere „Reise“ genoss. Am nächsten Morgen teilten uns die Nachtwachen mit, das Frau N. in der Nacht ganz friedlich mit einem Lächeln im Gesicht im Schlaf verstorben sei.