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Eine Pflegekraft legt behutsam Ihre Hand in die eines Bewohners. gagpdd6059.jpg

Wir pflegen die Würde des Menschen

Christliche Nächstenliebe zu praktizieren, ist der Auftrag des Diakonischen Werkes. Darunter verstehen wir, Menschen, unabhängig von ihrer Nationalität, ihrer Kultur- und Religionszugehörigkeit zu unterstützen, ihnen zu helfen und sie zu fördern.

Ziele unseres Hilfehandelns sind, die Würde der Menschen zu schützen, menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, gesellschaftliche Teilhabe zu verwirklichen und Menschen zu selbstbestimmtem und selbst- verantwortlichem Leben zu befähigen.

Als Mitarbeitende des Diakonischen Werkes verstehen wir uns als Dienstgemeinschaft, in der wir einander wertschätzend, unterstützend und fördernd unseren Hilfeauftrag und die damit verbundenen Arbeitsverpflichtungen wahrnehmen.

Eine Muslimin, die Weihnachtslieder singt

Jedes Jahr besprechen wir in der Teamsitzung dasselbe Thema: Wer will an Weihnachten wann arbeiten? Ich bin Muslima, mir ist es nicht wichtig, an welchem Tag ich arbeite. So erklärte ich mich bereit, am 24.12. den Spätdienst zu übernehmen. Viele Mitarbeiter wunderten sich anfangs darüber. „Ist in Ordnung, feiert ihr mal, ich mache das hier schon“, sagte ich.

In der Woche vor Weihnachten mussten noch Vorbereitungen für den Heiligabend getroffen werden. Mir war bewusst, dass unser theologischer Vorstand am Vormittag einen Gottesdienst mit den Gästen aus der Kurzzeitpflege feiern würde, so dass ich mir überlegte, wie ich das zusammen mit der Pflegefachkraft und der Betreuungskraft gestalten könnte. Nicht, dass es meine Aufgabe als Pflegehilfskraft gewesen wäre; ich hatte einfach Lust dazu, den Menschen ein schönes Weihnachtsfest zubereiten, wenn sie schon nicht zu Hause sein konnten. Im Austausch mit den Kollegen erstellten wir einen Plan. Nachmittags sollte es Kuchen oder Gebäck sein, abends landestypisch Kartoffelsalat mit Würstchen – ich verstehe immer noch nicht, warum es dieses einfache Essen an einem so wichtigen Tag gibt. Nun war es an der Zeit, mich auch mit den Weihnachtsliedern auseinanderzusetzen. Als Kind musste ich diese natürlich auch singen, aber das ist lange her…

Ob ich das noch konnte? Sozialen Medien sei Dank, habe ich mich auf Standgebracht und dann mit den Kollegen beraten, welche Lieder wir nehmen. Außerdem nutzte ich die Gelegenheit, die Gäste zu befragen, wie sie früher Weihnachten gefeiert haben – und ganz wichtig: Welche Weihnachtslieder sie hören wollen. Der Tag rückte näher, und es musste ein Tischgebet her. Ich kenne keines, und so musste die größte Suchmaschine passende Gebete liefern. Und noch das Vater Unser dazu – sicher ist sicher! Um 15.00 Uhr ging es los, und ich war aufgeregt. Doch siehe da: Ich konnte die Menschen mitreißen, war sogar textsicher. Die Gäste freuten sich über einen gelungenen Heiligabend und gaben mir herzergreifende Rückmeldungen. Das bestärkte mich darin, dass ich den Menschen helfen kann, auch wenn ich andersgläubig bin – ganz nach dem Motto: Auch ich als Muslimin kann Weihnachtslieder singen.